Stammeskunst

Um zu erfassen, was Stammeskunst meint, muss man zuallererst den Begriff selbst anzweifeln. Von Stammeskunst zu sprechen, spiegelt einen europäisch ausgerichteten Blick und eine rezeptionsästhetische Befangenheit mit dieser Form von kultischen Objekten wider. Und es spiegelt eine – kolonial bedingt – abwertende Erfassung kultureller Gemeinschaften wider, von der ich mich ausdrücklich distanzieren will. Am ehesten sollte man von daher von traditioneller Kunst sprechen.

Letztlich erfährt der Begriff Kunst im Umgang mit Skulpturen und Objekten westafrikanischer Stammeskulturen eine Grenze, denn all die Schutzfiguren, Opferstelen, Altarfiguren und Fetische sind nicht als Kunst gearbeitet worden und verstehen sich auch nicht als solche.

Sie spiegeln auch nicht den spätestens seit der Renaissance wiedergeborenen Anspruch auf Originalität und Individualität, von einer ganz bestimmten Künstlerpersönlichkeit geschaffen worden zu sein. Es gibt – so in der Kunst der Senufo – zwar durchaus namhafte und bekannte Schnitzer, aber das ist insgesamt eher eine Ausnahme zu nennen.

Foto eines Ausstellungsraumes
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