VIII. Ernst Barlach, „Totentanz I“

Holzschnitt, 1921, signiert

Aus den „Wandlungen Gottes“ ist dieser Holzschnitt von Ernst Barlach entnommen, der im Getümmel anthropomorpher Linien­gefüge einen Holzstock erarbeitet, als ginge es um eine teils anonyme, teils durch Alter gezeichnete Begleitung der zum Tode geweihten Tänzerin. Barlach schnitzt mit großer Intensitität eine Zeugenschaft dieses Tanzes, die geprägt ist durch körperlichen Verfall, durch Alterungsprozesse und durch teils amputierte und offenkundig verletzte Zeugen der Szene. Der gestochen grafisch übersetzte Mantel umhütet die beiden Protagonisten wie deren Handreichung in der zentralen Bildmitte der Arbeit. Dem ausge­fächerten Mantel kommt hierbei die gleiche Linienführung zu wie es der Kleidung der beiden Tanzenden entspricht. Sie sind gleichsam umschlossen, eingekleidet in einen göttlichen Schutz­raum, dessen dynamischer Schrittfolge kein Hadern, kein Zaudern und keine Furcht zu entnehmen ist. Gleichsam notwendig umfassen sich die Tanzenden und finden zur Akzeptanz ihres Schicksals, das fast geifernd und unwirklich durch die vielen Zeugen der Szene erfasst wird. Der Mantel schützt hierbei vor den haschenden Blicken und zeigt die gerichtete Wahrnehmung der beiden Tanzenden, die sich einzig selbst wahrnehmen.

Foto des Objektes