VI. Max Beckmann, „Martin Tube“

Lithographie 1914

Beckmanns grafischem Werk kommt im Zusammenhang der Sammlung hier ein besonderer Stellenwert zu. Und von den vielen grafischen Beispielen seiner ausdrucksstarken Expressivität kommt der Darstellung seines verletzten Schwagers Martin Tube eine tief eindringliche Rolle und dokumentierte Appellationsinstanz zu. Während von Max Liebermann an bishin beispielhaft zu Ernst Barlach die Künstler in der Zeitschrift „Kriegszeit“ den Beginn und Fortbestand des Ersten Weltkrieges nahezu hymnisch feierten, dokumentiert Beckmann im Erstjahr der Herausgabe der Kunst­zeitschrift „Kriegszeit“ eine erstmals belegte Verletzung, die noch im gleichen Jahr zum Tode seines Schwagers führte. Martin Tube, offenkundig am Kopf verletzt, schaut über die Betrachter hinweg und entführt den Blick in eine aufgezeigte Verletzung, der sich der eigene Blick nicht entziehen kann. Nahezu zärtlich stellt Beck­mann seinen Schwager in Uniform dar. Nahezu persönlich und zeitlos stellt Beckmann ihn als Gefallenen mit großem Selbst­bewusstsein dar; kein namenloser Soldat, kein anonymes Opfer, sondern ein sehr konkret sich zeigender Mann, dessen Verletzung persönlich und darin eindringlich dargestellt wird.

Foto des Objektes