IV. Max Pechstein, „Heidenstamm III“

Radierung, 1917, signiert

Enorm, mit welcher prominenten Unterlassung hier eine stürzende Frau in ihrer anempfohlenen Schutzbedürftigkeit alleine durch den rufenden Protagonisten gesehen wird. Die Radierung von Max Pechstein zeigte im Sprechfokus der männlichen Hauptperson ursprünglich genau dieses gestochene Wort: Enorm. Ausradiert bleibt der mahnende Appell präsent, die Teilnahmslosigkeit der männlichen Betrachter der Szene bleibt einer unterlassenen Hilfe­stellung gleich gegenwärtig. Die Frau liegt inmitten der männlichen Gesellschaft und einzig die sich ausbreitende, links angeordnete Hauptperson scheint der Frau Schutz und schützende Wahrneh­mung zukommen zu lassen. Erst in späteren Fassungen radierte Pechstein den Ausruf ENORM heraus; erst in späteren Fas­sungen blieb der unbeschriftete Appell in seiner zeichnerischen Fehlstelle prominenter als es eine Beschriftung des Sprech­fokus je leisten könnte. Die Teilnahmslosigkeit der männlich dominierten Szene ist in der Tat enorm. Die Frau fällt einzig parallel zum Sehenden inmitten des Bildmotivs und bildet einen zeichnerisch gekreuzigten Block inmitten der Szene. Niemand hilft, niemand hebt die Hände und artikuliert Einhalt. Einzig der nicht enorm ausrufende männliche Protagonist verweist auf Hilfestellung.

Foto des Objektes