II. Karl Schmidt-Rottluff, „Kopf“

Holzschnitt, 1915/1919

Der „Kopf“ von Karl Schmidt-Rottluff zählt zu den eindringlichsten ersten Seherlebnissen, die mich mit expressionistischer Grafik konfrontierten. Alles an diesem horizontal und profiliert ausge­arbeiteten Kopf verweist auf die geschnitzten Linien und Flächen im Holz. Und so sehr hier kein Antlitz deutlich wird in der frontalen Spiegelung, so sehr nimmt der eindringliche Kopf aus seiner Aufsicht eine Wand und mit ihr andere Protagonisten des Expressionismus in den Blick. Der Blick der Frau schaut in einen Raum, der damit außerhalb des Holzschnittes als gesehen prominent wird. Der Holzschnitt bekundet eine Holzstruktur, die nicht im Stock begründet liegt, sondern die in den vielen Dia­gonalen und wenigen Senkrechten einen lebendigen Ausdruck gewinnt. Die Arbeit zählt zu den frühesten Bilderlebnissen, an die ich mich erinnern kann. Schmidt-Rottluffs Holzschnitt hängt hier im Zusammenhang der Sammlung gleich zweimal, einmal als Holz­schnitt dokumentiert, ein anderes Mal als Blatt frei gewürdigt. Eine Arbeit, die in Korrespondenz zu den Objekten im Raum ihren skulpturalen Charakter behauptet.

Foto des Objektes