X. Emil Nolde, „Der Sänger“

Holzschnitt, 1915

Ursprünglich geschnitzt für den Schleswig-Holsteinischen Kunstkalender gehört der Holzschnitt von Emil Nolde zu seinen eindringlichsten Arbeiten, weil er beginnend expressiv fast noch im manierierten Ausdruck des frühen 20. Jahrhunderts und damit fast noch in der Formensprache des Art deco anzusiedeln ist. Von höchst pathetischem Ausdruck weiß der Dargestellte sich selbstbewusst zu behaupten, wobei der gefaltete Kragen fast wie ein Handrücken erscheint, auf dem der markante Kopf des Sängers ruht. Die Schatten- und Profilbildung der Arbeit ist diagonal ausgerichtet und reicht von links unten hinauf zum nach Innen gekehrten Blick des sich seiner selbst höchst bewussten Protagonisten. Der Blick selbst bleibt wie beschrieben nach innen gerichtet und der dargestellt Singende schweigt zur ungehörten Musik, während er einer welchen Partitur auch immer nachzu­gehen scheint. Noldes Holzschnitt hängt hier im Zusammenhang mit Arbeiten von Beckmann, Pechstein, Heckel und Grosz; Noldes Holzschnitt markiert die Vorliebe für menschliche Antlitze, die – in diesem Fall eher selten – nicht nach Außen, sondern nach Innen gerichtet bleiben.

Foto des Objektes