I. Cary S. Leibowitz, „it still hurts.“

Zeichnung, 2000

Das einfache DIN-A4-Blatt zeigt links oben eine Verletzung, einen Riss und eine Fehlstelle. Mittig ist die Zeichnung beschriftet, wobei es für die zeichnerische Reflexion von Cary S. Leibowitz spricht, dass der an sich vollständige Hauptsatz klein beginnt, während er mit aller Entschiedenheit seiner vermittelten Aussage mit einem Punkt endet. „it still hurts.“ – Es tut immer noch weh, es schmerzt nach wie vor, steht da eben so gezeichnet wie geschrieben. Die klassische Psychoanalyse ist hier auf den Punkt gebracht. Tatsächlich schmerzt im Leben immer noch etwas, verweist ein Schmerz auf eine Verletzung, auf einen Riss, auf eine Fehlstelle in so mancher zum Trauma gewordenen Erinnerung. Die Geschichte des Schmerzes wird durch das verletzte Blatt vor dem klein begonnenen Hauptsatz deutlich, sie ist in ihrer Verletzung ersichtlich, während ihr Inhalt unbekannt bleibt und durch den jeweiligen Betrachter erinnert und ausgefüllt werden kann. Cary S. Leibowitz' pointierte Zeichnung bringt den im Leben nach­wirkenden Schmerz auf den Punkt. Nicht mehr, aber auch nicht weniger leistet diese Zeichnung, die den Schmerz zu einem allgegenwärtigen Phänomen erklärt und ihn damit aus seiner selbstvergessenen Leugnung zurück zu Bewusstsein bringt.

Foto des Objektes